West-Papua ist die westliche Hälfte der Insel Neuguinea und grenzt im Osten an das unabhängige Land Papua-Neuguinea. West-Papua ist das Zuhause von rund 300 indigenen Völkern, einschließlich einiger unkontaktierten Völker. Einige sprechen Sprachen, die mit keiner anderen Sprache der Welt verwandt sind. Viele Menschen berichten, seit Beginn der indonesischen Besatzung im Jahr 1963 schwerwiegende Gewalt und Menschenrechtsverletzungen erfahren zu haben.
Auf der Insel herrscht große kulturelle und sprachliche Vielfalt: Von den hier lebenden 0,02% der Weltbevölkerung werden 15% der Sprachen der Welt gesprochen.
© William Milliken/Survival
Heute gibt es etwa 2,5 Millionen indigene Menschen in West-Papua. Wie ihre Verwandten in Papua-Neuguinea verfügen viele Menschen über umfangreiches landwirtschaftliches Wissen. Wie auch in anderen Teilen Melanesiens sind Schweine in der Kultur West-Papuas äußerst wichtig, und Schweinefeste werden veranstaltet, um Hochzeiten, Beerdigungen und andere Zeremonien zu feiern.
Die indigenen Völker West-Papuas sind vielfältig: Einige der dort lebenden indigenen Völker sind erfahren im Fischfang und der Seefahrt, während andere Wildtiere jagen und Sago sammeln. Obwohl Indonesier*innen ihr Land kontrollieren, führen die indigenen Völker West-Papuas ihre vielfältigen Lebensweisen fort.
Der „ignorierte Genozid“
Seit Indonesien 1963 West-Papua illegal besetzte, berichten viele Menschen aus der Region und Fachleute von einer lang andauernden Gewalt- und Repressionskampagne gegen Teile der Bevölkerung, insbesondere gegen Gruppen, die die indonesische Herrschaft nie akzeptiert haben. Berichte dokumentieren unter anderem Vergewaltigungen, Kreuzigungen, Verstümmelungen, Einsatz von Bomben und womöglich auch der Einsatz chemischer Waffen.
Fachleute haben diese brutalen Menschenrechtsverletzungen als Teil eines „ignorierten Genozids“ beschrieben. Schätzungen zufolge sind seit Beginn der indonesischen Kontrolle mehr als 500.000 indigene Menschen getötet worden.
Alle Forderungen nach Unabhängigkeit Westpapuas sind verboten, und der Bevölkerung droht eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren, allein dafür, ihre Flagge zu hissen.
Die indonesische Regierung versucht außerdem, die indigene Bevölkerung West-Papuas zu „indonesianisieren“, wobei ihr Recht auf Selbstbestimmung missachtet wird. Dazu gehört ein Programm, bei dem Hunderttausende Indonesier*innen nach West-Papua umgesiedelt wurden und Land erhielten, das der indigenen Bevölkerung geraubt wurde.
Spätere Regierungen begründeten diese Maßnahmen als „Entwicklungs- und Integrationsmaßnahmen" für die Menschen, die der frühere Präsident Suharto als „rückständige und primitive Papuas, die noch in der Steinzeit leben“, bezeichnet hatte.
© Antara Foto via Reuters /Muhammad Adimaja
Umweltzerstörung
Auch die natürlichen Ressourcen West-Papuas werden gewinnbringend für die indonesische Regierung und ausländische Unternehmen ausgebeutet – auf Kosten der indigenen Bevölkerung und ihrem Zuhause.
Das US-Unternehmen Freeport-McMoRan betreibt in West-Papua eine der größten Goldminen der Welt. Jeden Tag werden dort über 300.000 Tonnen Abfälle in den Aikwa-Fluss geleitet, was massive Umweltschäden verursacht.
Außerdem befindet sich in West-Papua das weltweit größte Abholzungsprojekt: Rund drei Millionen Hektar Wald (eine Fläche etwa so groß wie Belgien) sollen für Agrarindustrie gerodet werden.
Der Energiekonzern BP betreibt außerdem ein riesiges Erdgasfeld in West-Papua und erwirtschaftet damit Milliarden für den indonesischen Staat – während der Genozid weiter vonstatten geht.
Das indonesische Militär und die Polizei pflegen enge Beziehungen zu Unternehmen, die in West-Papua tätig sind, und werden häufig dafür bezahlt, deren Wirtschaftsinteressen zu schützen. Die Präsenz dieser Sicherheitskräfte ist fast immer mit Menschenrechtsverletzungen wie Mord, willkürlichen Verhaftungen, Vergewaltigungen und Folter verbunden.
Bewohner*innen West-Papuas, die gegen die indonesische Regierung, das Militär oder diese Projekte protestieren, sind am stärksten von diesen Menschenrechtsverletzungen betroffen.
Unkontaktierte Völker in West-Papua
Um die Jahrtausendwende ging man davon aus, dass in West-Papua etwa 40 unkontaktierte Völker leben. Nach Jahrzehnten missionarischer Aktivitäten und der brutalen Gewaltkampagne der indonesischen Regierung ist diese Zahl wahrscheinlich stark gesunken.
Heute geht Survival International davon aus, dass es in West-Papua mindestens zwei indigene Völker gibt, von denen einige Gruppen keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Es gibt außerdem Berichte über weitere unkontaktierte Völker im Land. Survival schätzt, dass bis zu zehn indigene Völker oder Gruppen in frewilliger Isolation in den Regenwäldern West-Papuas leben könnten.
Sie alle sind durch Kontakt mit indonesischen Sicherheitskräften, Unternehmen oder Regierungsvertreter*innen existenziell gefährdet. Auch Tourist*innen und Social-Media-Influencer*innen stellen eine wachsende Bedrohung für diese unkontaktierten Völker dar.
Solidarität mit West-Papua
Der brutale Militärkampagne gegen die Bevölkerung West-Papuas muss ein Ende haben. Bergbau, Agrarindustrie, Gasförderung und andere „Entwicklungsprojekte“ dürfen nicht ohne deren freie, vorherige und informierte Zustimmung der betroffenen indigenen Völker auf deren Territorien stattfinden.
Die angestammten Gebiete unkontaktierter Völker müssen vor äußeren Eingriffen geschützt werden, um ihre Sicherheit und Selbstbestimmung zu gewährleisten.
Survival fordert die indonesische Regierung auf, die Menschenrechte der Bevölkerung West-Papuas zu respektieren, wie sie in internationalen Rechtsnormen verankert sind. Dazu gehört ihr grundlegendes Recht auf Selbstbestimmung, damit sie frei über ihr eigenes Schicksal entscheiden und in Frieden auf dem Land ihrer Vorfahren leben können.
© Survival International
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