Endlich: Landrechte von unkontaktiertem Volk werden besprochen

27 März 2017

Einige Ayoreo blockieren die Panamericana im Protest gegen Landraub. © GAT/ Survival

Diese Seite wurde 2017 erstellt und enthält möglicherweise Formulierungen, die wir heute nicht mehr verwenden würden.

• Das Gebiet ist Heimat der letzten unkontaktierten Indigenen Südamerikas außerhalb des Amazonasbeckens

• Es hat die höchste Abholzungsrate der Welt

Bemühungen, das Gebiet eines bedrohten unkontaktierten Volkes vor illegaler Abholzung zu schützen, haben kräftig Auftrieb erhalten, nachdem die Regierung Paraguays und Repräsentanten des indigenen Volkes Gespräche aufgenommen haben.

Die unkontaktierten Ayoreo sind die letzten unkontaktierten Indigenen Südamerikas außerhalb des Amazonasbeckens. Ihr Gebiet in Westparaguay hat die höchste Abholzungsrate der Welt.

Unterstützt von der lokalen Organisation GAT hatten kontaktierte Mitglieder des Volkes bereits 1993 offiziell Anspruch auf ihr Land erhoben. Seitdem sind jedoch weite Teile ihrer Wälder durch Außenstehende zerstört worden.

Die Gespräche werden nun aufgrund eines offiziellen Antrags bei der Interamerikanische Menschenrechtskommission (IACHR) aufgenommen, in dem die lokale Organisation GAT forderte, dass das Land an seine rechtmäßigen indigenen Besitzer zurückgegeben wird.

In einem Prozess unter UN-Aufsicht werden sich nun Regierungsvertreter*innen ein Jahr lang monatlich mit Ayoreo-Sprecher*innen treffen.

Das Gebiet der Ayoreo ist von verschiedenen Firmen besetzt, die das Land abholzen, um Platz für Viehweiden zu machen. Darunter auch das brasilianische Unternehmen Yaguarete Porá S.A. und Carlos Casado S.A. (eine Tochtergesellschaft der spanischen Baufirma Grupo San José).

Eine unbekannte Anzahl Ayoreo lebt weiterhin unkontaktiert. Sie leben auf der Flucht, um der rasant fortschreitenden Abholzung ihrer Heimat zu entfliehen. Viele Ayoreo sind jedoch bereits durch Außenstehende aus ihrem Gebiet verdrängt worden. Einige von ihnen haben sich mit einer rätselhaften Tuberkulose-ähnlichen Krankheit infiziert, durch die etliche Mitglieder des Volkes gestorben sind.

Im Februar 2016 wies die IACHR in einer Eilverfügung die Regierung Paraguays an, weitere Abholzung zu verhindern und die in der Region lebenden unkontaktierten Indigenen zu schützen. Die Regierung hat sich jedoch nicht daran gehalten. Eine aktuelle Satellitenaufnahme zeigt, dass 2016 noch immer Wälder gerodet wurden.

Die illegale Abholzung von Ayoreo-Land durch Viehzucht-Betriebe wurde 2016 kontinuierlich fortgesetzt. © GAT

Das Gebiet der Ayoreo gehört zu den wenigen intakten Wäldern, die es in Paraguay noch gibt.

Survival-Direktor Stephen Corry sagte: „Die Regierung hat die Ayoreo viel zu lange ignoriert. Wenn dieses Jahr keine wesentlichen Fortschritte gemacht werden, könnten ihre unkontaktierten Verwandten bald ausgelöscht sein. Die Ayoreo sind die besten Hüter ihre Waldheimat, deshalb wird die Zerstörung der Ayoreo auch einige der artenreichsten Gebiete Paraguays zerstören.“

Hintergrundinformationen

- Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften unseres Planeten. Ganze Gemeinden werden durch völkermörderische Gewalt Außenstehender ausgelöscht. Diese Eindringlinge rauben nicht nur ihr Land und ihre Ressourcen, sondern schleppen auch Krankheiten wie Grippe oder Masern ein, gegen die Unkontaktierte keine Abwehrkräfte besitzen.
- Indigene Völker sind die besten Wächter ihrer Umwelt. Und Belege zeigen, dass indigene Gebiete die beste Hürde gegen Abholzung sind.
- Das Land der Ayoreo ist Teil eines UNESCO-Biosphären-Reservats.
- Schätzungen zufolge werden monatlich 14 Millionen Bäume in Paraguay gefällt.
- Die UN hat erklärt, dass sich die Ayoreo in einem „Notzustand“ befinden
und hat gemahnt, dass das Versäumnis der Regierung, das Land seinen rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, das Leben der Indigenen in hohem Maße gefährdet.

Ayoreo
Indigenes Volk

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