Maasai werfen UNESCO Mitverantwortung für Vertreibungen im Namen des Naturschutzes vor
21 April 2026
© MISAMaasai haben in einem der populärsten Tourismusziele Tansanias gegen ihre Vertreibung im Namen des Naturschutzes protestiert.
Die Proteste am Internationalen Welterbetag (18. April) sollen auf die Mitverantwortung der UNESCO an der langjährigen Verfolgung der Maasai durch die tansanische Regierung aufmerksam machen. Die Maasai leben seit Generationen im Ngorongoro-Schutzgebiet – einer UNESCO-Welterbestätte.
Die Maasai werden im Namen des Naturschutzes von ihrem angestammten Land vertrieben. Die tansanischen Behörden haben willkürliche Verhaftungen durchgeführt, Bewohner*innen geschlagen und gefoltert sowie Gesundheitsleistungen in Ngorongoro ausgesetzt, um Familien zum Verlassen des Gebiets zu zwingen. Zwei von der tansanischen Präsidentin eingesetzte Kommissionen haben kürzlich grünes Licht für die Fortsetzung und Ausweitung der Vertreibungen gegeben – und dabei den UNESCO-Status des Ngorongoro-Schutzgebietes als Rechtfertigung angeführt.
Kurz vor den Protesten gaben acht UN-Sonderberichterstattende eine Stellungnahme ab, in der sie die Behörden auffordern, die Ergebnisse der Kommissionen zu veröffentlichen. Zudem erklärten sie: „Im Jahr 1951 wurde den Maasai zugesichert, dass sie weiterhin im Ngorongoro-Schutzgebiet leben können, wenn sie im Gegenzug Land für die Einrichtung des Serengeti-Nationalparks abtreten. Diese historischen Verpflichtungen gegenüber indigenen Völkern müssen eingehalten und ihre Menschenrechte vollständig respektiert werden.“
Die Maasai International Solidarity Alliance (MISA) erklärte: „Der Welterbestatus wird gegen uns verwendet – ohne uns einzubinden. Wir werden nicht als legitime und vorrangige Rechteinhabende von Ngorongoro anerkannt. Für sie gehört Ngorongoro Tourist*innen, Naturschützenden und der Welt.”
„Wir fordern UNESCO, IUCN und das Welterbekomitee auf, klar und öffentlich zu erklären, dass die Rechte indigener Völker gewahrt werden müssen, darauf zu bestehen, dass die verschiedenen indigenen Gemeinschaften von Ngorongoro die legitimen Hütenden und Rechteinhabenden dieses Landes sind, und zu verlangen, dass das sogenannte ‚freiwillige’ Umsiedlungsprogramm beendet wird.“
Die Direktorin von Survival International, Caroline Pearce, erklärte heute: „Die UNESCO ist der heimliche Partner der illegalen Vertreibungen indigener Menschen aus ihrem angestammten Gebiet in Ngorongoro durch die tansanische Regierung. Seit Jahrzehnten stellt das Welterbekomitee die Maasai als Bedrohung für die Umwelt dar, behauptet, sie seien zu viele und ihr Vieh verursache Überweidung – und liefert damit eine scheinbare Legitimation für diese Vertreibungen. Selbst jetzt bezeichnet es dieses Vorgehen gewaltsamer Enteignung weiterhin als ‚freiwillige‘ Umsiedlung.
Nachdem nun sogar UN-Fachleute diese Vertreibungen verurteilen – wie lange wird die UNESCO sie noch unterstützen?“
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